Chef-Praktikum – als Schüler bereits erfahren, wie Unternehmertum geht

Schon als Schüler auf dem Chef-Sessel sitzen? Einmal hautnah miterleben, wie Chefs so „ticken“? Unternehmen in der HanseBelt Region machen das möglich. Sie bieten interessierten Schülerinnen und Schülern ihren „Sessel“ an. Mit dem Chef-Praktikum können Schülerinnen und Schüler hautnah erfahren, wie der Tag eines „Chefs“ und seiner Führungsriege so aussieht.

Worum geht es genau?

Mit dem Chef-Praktikum haben Jugendliche die Möglichkeit, einen Tag bis eine Woche lang unmittelbar den Arbeitstag eines Unternehmers / einer Unternehmerin mitzuerleben. Die Dauer des Praktikums legen die Unternehmen gemeinsam mit den Schülern fest. Die Schüler lernen den Arbeitsalltag eines „Chefs“ kennen. Sie sind bei Besprechungen sowie weiteren internen und externen Terminen im Tagesablauf dabei.

Wer kann teilnehmen?

Schülerinnen und Schüler der 10. bis 13. Klasse, die bereits ein Interesse daran haben, ihre Idee(n) später einmal in einem Unternehmen oder als Unternehmer/in selbst umzusetzen. Pro Unternehmen steht jeweils ein Platz für das Chef-Praktikum zur Verfügung.

Ausführliche Informationen zu Schüler-Praktika gibt es bei der Praktikumsbörse Schleswig-Holstein.

Wie kann man teilnehmen?

Interessierte Schülerinnen und Schüler melden sich bitte per E-Mail bei Frau Kathrin Schultz-Düsing.

Die IHK wird nach Anmeldung ein passendes Unternehmen vermitteln, bei denen eine offizielle Bewerbung seitens des Praktikants erfolgen muss. Das Unternehmen wird nach einem Bewerbungs- und Auswahlprozess den Praktikumsplatz vergeben. Die Details des Praktikums besprechen die Schülerinnen und Schüler direkt mit dem Unternehmen. Nach Beendigung des Praktikums erhalten die Schülerinnen und Schüler eine Teilnahmebestätigung vom Unternehmen.

Findet ein Erfahrungsaustausch statt?

Alle Praktikanten können ihre Erfahrungen und Eindrücke auf dieser Internetpräsenz mitteilen.

Mein Chef-Praktikum

Schülerinnen und Schüler berichten hier über ihre Erfahrungen, Eindrücke und Erkenntnisse während des Chef-Praktikums. Interessante und spannende Aussagen, wie es ist, für kurze Zeit „Chef“ zu sein. Ihr wollt auch mal auf dem Chefsessel Platz nehmen? Dann sprecht mit Kathrin Schultz-Düsing.

Infos direkt

Anna Sophia Rath hat 2018 Ihr Chef-Praktikum absolviert. Jetzt steht Sie interessierten Schülerinnen und Schüler als Coach mit vielen Tipps zum Praktikum zur Verfügung. Kontakt über Kathrin Schultz-Düsing.

Jette Schwardt: Viel Grundlegendes gelernt

Vom 8. bis zum 12. April 2019 habe ich bei Femern A/S ein Chef-Praktikum bei Frau Rhodin, der Leiterin des Infocenters auf Fehmarn, absolviert. Frau Rhodin führt dieses Center eigenverantwortlich.

Während meines Praktikums erlebte ich den vielseitigen und erlebnisreichen Alltag einer Führungsperson. Der Schwerpunkt lag auf dem Informieren von Interessierten, sodass das Informationscenter täglich vor- und nachbereitetet werden musste. Zudem bearbeitete ich gemeinsam mit Frau Rhodin jeden Tag neu eingegangene E-Mails und besuchte Meetings mit Mitarbeitern, die Frau Rhodin einberief, um Aufgaben zu koordinieren.

Bereits am ersten Praktikumstag konnte ich gemeinsam mit einer ausgewählten Gruppe einen Vortrag über das Vorhaben von Femern A/S anhören. Frau Rhodin zeigte, welche Eigenschaften in diesem Metier zu einem Chef gehören. Nach dem Vortrag ergaben sich bei Besuchern, die eine negative Einstellung gegenüber dem Vorhaben der festen Fehmarnbelt-Querung hatten, einige Fragen. Frau Rhodin konnte diese Zweifel aber durch ihr umfassendes Wissen widerlegen. Diese Situation zeigt, dass eine Führungsperson voll und ganz hinter der Idee des Unternehmens stehen und immer sehr gut informiert sein muss.

Mein Highlight fand am vorletzten Tag statt. Wir besuchten viele Standorte rund um und auf Fehmarn, an denen wir Flyer für das Infocenter auslegten. Während dieser Besuche zeigte sich die Wichtigkeit von Connections. Denn wer viele wichtige Kontakte besitzt, kann schnell Aufmerksamkeit und Bekanntheit erlangen und so sein Unternehmen nach vorne bringen.

Mich beeindruckt an Führungspersonen, dass diese Organisationstalent besitzen, um das Unternehmen wachsen zu lassen. Außerdem machen Unternehmer nie pünktlich Feierabend, sondern arbeiten jeden Tag immer so lange, bis sie zufrieden sind.

Überraschend war für mich, dass eine gewisse Lockerheit in bestimmten Tätigkeiten auch wichtig ist und zu dem Beruf dazugehört. Trotzdem müssen Führungskräfte schnell reagieren und im nächsten Moment wieder voll konzentriert sein.

Für die Tätigkeit eines Chefs sind folgende Charaktereigenschaften unerlässlich: hinterfragend, organisiert und selbstbewusst. Dass diese drei Eigenschaften auch für mein weiteres Leben wichtig sein werden, habe ich durch mein Praktikum gelernt. Ich möchte in Zukunft vermehrt Fragen stellen und stärker an mich und meine Ziele glauben.

Ich bin sehr dankbar, dass ich einen so realen und tiefen Einblick in das Leben eines Chefs bekommen habe und kann jedem ein Chef-Praktikum empfehlen.

Anna Sophia Rath: Nach der Schule Verantwortung übernehmen

Während meines zweiwöchigen Chef-Praktikums durfte ich zu meinem Glück bei fast jeder Tätigkeit des Geschäftsführers der Heinrich Hünicke GmbH & Co. KG, Jan Drescher, dabei sein. Das war nur möglich, weil mir Herr Drescher und die Mitarbeiter ihr Vertrauen schenkten. Dadurch hatte ich die einmalige Gelegenheit, einen umfangreichen Einblick in den Alltag des Unternehmens, aber auch in die Aufgaben der Mitarbeiter zu erhalten. Ich durfte bei Mitarbeitergesprächen, Vertriebsmeetings und Projektbesprechungen dabei sein.

Wenn man für eine Sache brennt, ist man gern bereit, mehr dafür zu tun, mehr Verantwortung zu übernehmen und mehr Zeit dafür aufzubringen – das habe ich in der Zeit gelernt. Eine Situation kann von vielen Seiten gesehen werden und ein Unternehmer muss jede Seite mit allen Konsequenzen berücksichtigen. Es ist wichtig, als Chef seine eigene Meinung zu haben, aber offen für die Argumente anderer zu sein, um Entscheidungen zu treffen. Mir wurde klar, dass am Ende der Chef für alles die Verantwortung zu übernehmen hat. Doch trotzdem sollte man immer diplomatisch bleiben, was ein hohes Maß an Selbstbeherrschung erfordert. Mich hat zugegebenermaßen positiv überrascht, dass die Geschäftswelt gar nicht so ernst und steif ist, denn sogar auf Meetings werden Themen mit einem gewissen Humor betrachtet.

Was mich beeindruckt hat, ist die Tatsache, wie gut ein Unternehmer vernetzt ist. Auf vielen Wegen gibt er der Stadt Lübeck und der Region etwas zurück. Networking ist wichtig, um das Unternehmen am Markt zu stärken und gemeinsam etwas zu bewegen. Die Intensität, mit der ein Unternehmer seinen Beruf lebt, ist eindrucksvoll. Es gehört sehr viel Selbstdisziplin dazu.

Das Chef-Praktikum bei der Heinr. Hünicke GmbH & Co. KG hat mich dazu bewegt, später auch eine Führungsposition anzustreben. Ich möchte das Leben meiner Mitarbeiter positiv beeinflussen und genauso eine Bereicherung für die Stadt und Region sein. Ich möchte Chancen ermöglichen und Menschen unterstützen, in ihrem Leben weiterzukommen. <<

Autorin: Anna Sophia Rath ist Oberstufenschülerin an einem Lübecker Gymnasium und war im Februar Chef-Praktikantin bei der Heinr. Hünicke GmbH & Co. KG.

Moritz von Laar: Viel über Politik und Wirtschaft gelernt

Vom 12. bis 14. Februar 2018 habe ich an einem Chef-Praktikum bei der IHK zu Lübeck teilgenommen und den Hauptgeschäftsführer, Lars Schöning, bei seinen Amtsgeschäften begleitet. Der erste Tag begann mit einer internen Runde der Geschäftsbereichsleiter und der Stabsrunde. Anschließend durfte ich beim Gespräch zwischen dem Hauptgeschäftsführer, einem weiteren Mitarbeiter der IHK und dem Vorstandsvorsitzenden der Possehl-Gruppe dabei sein.

Das Highlight meines zweiten Arbeitstag: Ein Treffen der drei Hauptgeschäftsführer der IHKs in Schleswig Holstein. Obwohl ich kein tiefgreifendes Wissen in den Themen Politik und Wirtschaft habe, war es für mich spannend und anregend. Am letzten Tag meines Praktikums hatte ich weitere Gespräche mit Vertretern der Hausspitze der IHK zu Lübeck. Anschließend ging es mit Herrn Schöning nach Travemünde. Bei einem Antrittsbesuch zwischen der IHK zu Lübeck und dem Atlantic Grand Hotel stellte sich der neue Hoteldirektor vor und gab Einblicke ins Hotel.

Mein Erachtens besteht die Hauptaufgabe eines Geschäftsführers darin, den Gesprächsfluss zwischen Partnern aufrecht zu erhalten und zu fördern. Dabei ist es immens wichtig, die Unternehmensziele nicht aus den Augen zu verlieren. Viele Gespräche von Herrn Schöning hatten den Zweck, Unternehmer für IHK-Projekte zu gewinnen und Unterstützer sowie Problemlöser zu sein.

Im Chef-Praktikum habe ich mehr über Politik und Wirtschaft gelernt als in zwei Jahren WiPo-Unterricht in der Schule. Beziehungen zwischen Unternehmern und Politik sind wichtig. Die Interessen beider Seiten unter einen Hut zu bekommen, um damit Veränderungen zu bewirken, hat eine enorme Bedeutung im Geschäftsleben. Beeindruckt hat mich, dass man auch mit einem gewissen Maß an Taktik in Meetings geht, um sein Anliegen durchzusetzen. Es benötigt ein großes Maß an persönlicher Autorität, aber auch Humor, Umgänglichkeit und Rationalität, um als Geschäftsführer erfolgreich zu sein.

Das Chef-Sein war sehr abwechslungsreich. Ich habe mich über die „normalen“ Arbeitszeiten in einer solchen Position schlau gemacht. Sie fordert hohe Konzentration und Belastbarkeit. Das Chef-Sein ist keine trockene und langwierige Angelegenheit. Die Meetings und Besprechungen waren frisch, anregend und belebend. Mich hat überrascht, wie wichtig der Humor, der Spaß an der Arbeit und die Freude am menschlichen Umgang sind. Egal, ob es ein Geschäftspartner, Interessent oder Mitarbeiter ist: Ein freundliches „Hallo“, ein guter Witz und die Stimmung ist ideal, um gemeinsam dem Ziel näher zu kommen.

Moritz von Laar, Chefpraktikant bei der IHK zu Lübeck, im Februar 2018


Johanna Hooß: Persönliche Erfahrungen helfen für die berufliche Zukunft

Vom 22. bis zum 26. Januar 2018 habe ich die Möglichkeit bekommen, bei der Neue Impulse GmbH & Co. KG in Lübeck ein Praktikum zu absolvieren. Es handelte sich dabei um das Chef-Praktikum, das von der IHK zu Lübeck initiiert wurde, um Schülern einen Einblick in den Berufsalltag und in die Aufgaben eines Geschäftsführers zu gewähren.

In meinem Fall waren das die beiden Geschäftsführer Hagen Goldbeck und Jens Poltrock. Vor allem Herrn Goldbeck, der mich während des Praktikums betreute, durfte ich zu Kundengesprächen und Beratungsterminen begleiten. So war ich bei Beratungsgesprächen mit einem langfristigen Geschäftspartner, mit dem Leiter eines Krankenpflegeunternehmens, mit der Gründerin eines Ausstattungsgeschäftes für Hunde und mit dem Leiter einer neuen Vertriebsagentur dabei.

Anhand dieser Beispiele lässt sich die Vielfalt der Probleme und Aufgaben erahnen, mit denen die unterschiedlichen Betriebe konfrontiert sind. Um sich darauf einzulassen und den Unternehmern individuell zu helfen, musste Herr Goldbeck flexibel sein und sich mit der jeweiligen Thematik vertraut machen – was ein hohes Maß an Geduld, Interesse sowie neuem Wissen erfordert.

Dennoch war ich überrascht, dass alle Beratungsgespräche in etwa dem gleichen Muster folgten. Die juristischen und steuerrechtlichen Vorgaben vom Staat bilden den Rahmen für Existenzgründungen, sodass die Möglichkeiten für Unternehmensgründer begrenzt sind. Weil diese oftmals mit dem Ausmaß an formeller Arbeit überfordert sind, benötigen viele Gründer bei ihrem Vorhaben Hilfe, die sie bei einem souveränen und kompetenten Berater finden können.

Ich habe mein Praktikum sehr genossen und fand es sehr lehr- und abwechslungsreich, einen Einblick in die Aufgabenfelder eines Chefs zu erhalten. Dies ist in den meisten Praktika nicht möglich. Daher kann ich es nur jedem empfehlen, sich ebenfalls mit dieser Thematik auseinanderzusetzen. Nicht nur aufgrund der Volkswirtschaft, die von einer erweiterten Gründerkultur sicherlich profitieren würde – sondern auch, weil es allein auf die persönlichen Erfahrungen bezogen, die man während des Praktikums sammeln kann, mehr als lohnend ist.